Hilfe meine Automatikuhr geht vor, was soll ich tun?

Das Vorgehen einer Automatikuhr deutet noch nicht zwingend auf einen Fehler hin, sondern kann reguliert werden.

Hilfe, meine Automatikuhr geht vor, was soll ich nun tun? So oder ähnlich sind die Anfragen, welche in letzter Zeit gehäuft an uns herangetragen werden.
Dazu wollen wir vorerst grundlegend einige Dinge behandeln, bevor wir auf genau auf diese Frage eingehen:

Ist es überhaupt ein Fehler, wenn eine Automatikuhr etwas vorgeht?

Im ersten Moment mag jeder denken: Klar, wenn ich eine Uhr am Handgelenk habe, dann soll diese auch genau gehen. Umso mehr, wenn die Armbanduhr eine hochwertige teure Präzisionsarmbanduhr ist. Schließlich geht fast jede günstige Quarzuhr fast auf die Sekunde genau.
Dazu muss gesagt werden, dass Quarzuhren und Funkuhren aufgrund Ihrer Konstruktion viel genauer sind, als Automatikuhren. Quarzuhren haben wenige bewegliche Teile und leiten Ihren Gang vom eingebauten Quarz ab (Aber auch hier gibt es große Unterschiede in der Genauigkeit), Funkuhren holen sich von Zeit zu Zeit den aktuellen Stand von einer Atomuhr. D.h. eine Funkuhr muss gar nicht zwingend genau gehen, da sie aber ständig korrigiert wird, fällt es nicht auf.

Warum eine Automatik, wenn sie nicht genau geht?

Diesen Anspruch hat der Käufer einer Automatikuhr aber gar nicht. Sie kaufen sich die Uhr, weil sie gut aussieht, den Träger schmückt und weil sie wissen (oder durch einen Glasboden auch sehen), wie das Werk im Inneren der Uhr arbeitet. Dabei geht es vor allem auch um die Handwerkskunst dieses Werk zu bauen, zu verschönern, zu verzieren und nicht zuletzt so einzustellen und zu regulieren, dass solch eine Uhr möglichst ganggenau ist. Wer bereits einmal solch ein Werk gesehen hat mag dann kaum glauben, dass die vielen Zahnräder Wellen und bewegten Teile eine Genauigkeit von 0,00002 % pro Tag erreichen.

Dabei üben Lage des Uhrwerks (welche sich am Handgelenk natürlich dauernd ändert), Temperatur, Stöße, usw einen maßgeblichen Einfluss auf die bewegten Teile im Inneren der Uhr aus. All diese Einflüsse beeinflussen den Gang des Werks. Die Konstrukteure des Werks versuchen (vor allem bei hochwertigen Kalibern) diese Störungen zu kompensieren, abzudämpfen oder auszugleichen, was aber nie zu 100% gelingen kann.

Wissenswertes zur Genauigkeit:

Was man dazu noch wissen sollte: Wenn eine Uhr jeden Tag 3 Sekunden pro Tag vor geht (oder nach geht), dann geht diese Uhr eigentlich sehr genau. Sie tut jeden Tag das gleiche, egal welchen Einfluss die äußerlichen Störfaktoren auch auf sie nehmen. Sie wird aber dennoch nach einem Monat (aufsummiert) eine größere Abweichung anzeigen. Dennoch kann solch eine Uhr von einem kundigen Uhrmacher sehr gut reguliert werden.
Hat man jedoch eine mechanische Uhr, die einen Tag 2 Sekunden vor geht, den nächsten Tag 3 Sekunden nach, usw. so hat man eine Uhr, die nicht sehr genau (also regelmäßig) geht, obwohl sie nach einem Monat vermutlich weniger Abweichung hat, als die zuvor genannte. Solch eine Uhr kann aber nicht sehr genau reguliert werden, da der Gang immer wieder anders ist.
Das Maß aller Dinge ist hier der Chronometer. Lesen Sie dazu unseren Artikel zur Chronometerzertifizierung uhrtipps.com/wissen/chronometer.html

Hat man daher eine Ganggenaue Uhr, so lässt sich der Uhrensammler und Uhrenliebhaber diese meist so einstellen, dass sie einige Sekunden zu schnell geht. Das hat zum Einen den psychologischen Grund, dass der Träger dann nicht zu spät zu einem Termin kommt und zum anderen den praktischen Grund, dass eine derart eingestellte Uhr gut nachgestellt werden kann, indem man diese einige Male pro Monat für kurze Zeit anhält, was bei vielen Uhren durch das Ziehen der Krone erfolgt.

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass es nicht das Ziel eines Käufers einer Automatikuhr ist, die höchste Präzision bei seiner Uhr zu erlangen, sondern andere Motivationen im Vordergrund stehen. Wer eine möglichst genaue Armbanduhr möchte, ist mit einer Quarzuhr oder einer Funkuhr besser beraten. Weiters muss es kein Fehler sein, wenn einen Automatikuhr etwas vorgeht, das hängt von Vorlieben des Trägers und seinen Traggewohnheiten ab und davon wie die Uhr reguliert ist.