Folgende Uhren werden wohl am häufigsten miteinander verglichen: Das Modell 903 ST vom Hersteller Sinn und der Breitling Navitimer. Viele sprechen davon, dass ein Hersteller vom anderen abgeschaut hat und nur eine der beiden Uhren das Original ist, die andere aber nur ein Nachbau.
Mit diesem Irrtum müssen wir aufräumen!
Inhalt
Breitling bringt den Navitimer heraus
Begonnen hat die Geschichte zu dieser Uhr bei Breitling und zwar mit dem Old Navitimer. Diese Uhr wurde 1952 erstmals präsentiert und wurde sehr schnell zum Erfolgsmodell. Es handelte sich um eine Automatik mit Chronograph und beidseitig drehbarer Lünette mit einem integrierten Flug-Rechenschieber. Mit diesem Rechenschieber waren komplizierte Berechnungen zu Treibstoffverbrauch, Steigflug oder Sinkflugraten und auch zur Durchschnittsgeschwindigkeit sehr rasch zu erledigen.
Sinn baut aus alten Breitling Teilen die Sinn 903 ST
1979 wurden die alten Produktionsstääten der Firma Breitling aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen. Ernest Schneider übernahm damals nur die Namen „Breitling, „Navitimer“, „Cosmonaute“, „Chronomat“ etc. , aber nicht die alte Produktion bzw die alten Teile. Diese Teile und Werke wurden zu einem Großteil von Helmut Sinn gekauft, da sich sonst niemand dafür interessierte. Helmut Sinn hat aus diesem Teilen und Werken in Frankfurt Uhren zusammengebaut und unter dem Namen Sinn Spezialuhren (Sinn 903 ST) verkauft. In vielen dieser Uhren waren sogar noch die Breitling Schriftzüge vorhanden. Breitling hat zu dieser Zeit keinen Navitimer gebaut und auch keine solchen Uhren verkauft. Die Sinn Uhren verkauften sich daher sehr gut und die Nachfrage war enorm. Als die alten Teile und Gehäuse aufgebraucht waren, hat die Firma Sinn neue Gehäuse mit eigenen Signaturen nach altem Vorbild gefertigt und mit diesen uren gebaut. Es gibt daher die Sinn ST bis heute.
Breitling lässt den Navitimer in den Achziger Jahren wieder aufleben
Mitte der Achziger Jahre hat Breitling aber wieder begonnen den Navitimer (dessen Namen Sie ja noch immer hatten) wieder aufleben zu lassen und diese Uhr wieder zu fertigen und zu verkaufen. So gibt es heute eben den Breitling Navitimer und die Sinn 903 ST, die 1979 die Nachfolge des OLD Navitimer war.
Vergleich Sinn 903 St mit Breitling Old Navitimer
Wenn man die Sinn 903 St mit dem Breitling Old Navitimer (Referenz 81610 oder Nachfolger) vergleicht, trifft man auf eine der spannendsten Geschichten der Uhrenindustrie. Es ist kein klassischer Vergleich zwischen „Original und Kopie“, sondern eher zwischen zwei legitimen Erben derselben DNA.
Hier ist der detaillierte technische und historische Vergleich:
1. Die historische Verbindung
In der Hochphase der Quarzkrise (1979) musste Breitling den Betrieb vorübergehend einstellen. Helmut Sinn kaufte damals nicht nur Gehäuseteile und Zifferblätter, sondern auch die Rechte am Design des Navitimer-Zifferblatts. Während Breitling unter neuer Führung später den Markennamen reaktivierte, baute Sinn die Uhr unter eigenem Namen weiter.
Das Ergebnis: Beide Uhren sind historisch „echt“. Die Sinn 903 ist technisch gesehen die direkte Fortführung der Produktion aus den späten 70ern.
2. Technische Spezifikationen im Vergleich
| Feature | Sinn 903 St (Aktuell/Standard) | Breitling Old Navitimer (Vintage/Neo-Vintage) |
| Kaliber | LJP 8000 (Sinn 903) / SW 500 | Valjoux 7750 (oft veredelt) |
| Gehäusedurchmesser | 41,0 mm | 41,5 mm |
| Wasserdichtigkeit | 20 bar (200m) – verschraubte Krone | Meist 3 bar (spritzwassergeschützt) |
| Rechenschieber | Bedienung über Zusatzkrone bei 10 Uhr | Bedienung über die Außenlünette |
| Glas | Saphirkristall (beidseitig entspiegelt) | Oft Hesalit (Plexiglas) oder Saphir (später) |
| Gehäusehöhe | ca. 14,5 mm | ca. 14,2 mm |
Die entscheidenden Unterschiede im Detail
A. Bedienung des Rechenschiebers
Dies ist der größte haptische Unterschied:
- Breitling: Die gesamte Lünette lässt sich von außen drehen. Das ist intuitiv, macht die Uhr aber anfälliger für das Eindringen von Wasser und Staub.
- Sinn: Der Rechenschieberring liegt geschützt unter dem Glas. Er wird über eine zusätzliche Krone bei 10 Uhr bedient. Das wirkt technisch „tooliger“, ist aber im Alltag etwas umständlicher zu drehen.
B. Alltagstauglichkeit (Wasserdichtigkeit)
Hier gewinnt Sinn haushoch. Während ein Old Navitimer beim Händewaschen schon Vorsicht erfordert, ist die Sinn 903 dank verschraubter Drücker und Kronen (bei neueren Modellen) sogar zum Schwimmen geeignet. Die Sinn ist eine Einsatzuhr, die Breitling ein Dress-Chronograph.
C. Das Uhrwerk
- Der Old Navitimer nutzt meist das bewährte Valjoux 7750 in einer sehr hohen Qualitätsstufe. Es ist robust, aber Massenware.
- Sinn hat bei der aktuellen 903-Serie oft auf Werke von La Joux-Perret (LJP) umgestellt, was der Uhr ein Schaltrad-Feeling und eine höhere Gangreserve verleiht.
D. Werterhalt & Image
- Breitling hat das Prestige. Der Name „Navitimer“ ist eine Ikone. Auf dem Gebrauchtmarkt halten Old Navitimer ihre Preise stabil, sind aber in der Wartung (bei Breitling direkt) teuer.
- Sinn ist der Geheimtipp für Kenner („Understatement“). Der Werterhalt ist prozentual exzellent, da die Neupreise bei Sinn stetig steigen und die Uhr eine treue Fangemeinde hat.
Welches ist nun die bessere Uhr
Das lässt sich nicht beantworten. Wäre eine der beiden angebotenen Uhren schlecht, wäre sie bereits vom Markt verschwunden. Fakt ist, dass beiden Uhren obgleich Ihrer großen Ähnlichkeit doch große Unterschiede aufweisen und so bleibt dem Käufer nur, beide Uhren zu vergleichen, anzuprobieren und selbst eine Entscheidung zu treffen, welche denn besser gefällt, bzw. das bessere Gefühl vermittelt.
Breitling hat natürlich ein gewisses Image, das von Breitling gepflegt wird und das mit der Uhr mitgekauft wird, dennoch ist die Sinn 903 preisgünstiger und eine Uhr für jene, die Understatement lieben. Bei der Breitling wird die Lünette von außen gedreht und sie wirkt daher von der Seite etwas filigraner, was vielen besser gefällt. Die innen liegende Lünette der Sinn wird über einen Knopf an der 10 gedreht, daher ist das Gehäuse der Sinn etwas gröber. Aber es ist halt alles wie immer Geschmacksache.
Fazit
Der Vergleich zwischen der Sinn 903 St und dem Breitling Old Navitimer ist kein Duell zwischen Original und Kopie, sondern ein Aufeinandertreffen zweier legitimer Erben derselben Design-DNA. Während der Quarzkrise 1979 kaufte Helmut Sinn die Rechte am Navitimer-Design sowie Originalteile von Breitling. Das Ergebnis sind zwei Uhren, die optisch fast Zwillinge sind, sich technisch aber in völlig unterschiedliche Richtungen entwickelt haben.
Der markanteste Unterschied liegt in der Bedienung des Rechenschiebers.
In puncto Uhrwerk und Image besetzen beide Marken unterschiedliche Nischen. Breitling setzt auf den Glanz einer Weltmarke und veredelte in den „Old Navitimer“-Modellen meist das robuste Valjoux 7750. Sinn hingegen punktet mit funktionalem Understatement und verbaut in modernen 903-Modellen hochwertige Kaliber (wie von La Joux-Perret) mit Schaltradsteuerung und hoher Gangreserve.
FAQs
Ist die Sinn 903 eine Kopie des Breitling Navitimer?
Nein, die Sinn 903 ist keine Kopie im klassischen Sinne. Während der Quarzkrise 1979 kaufte Helmut Sinn die offiziellen Rechte am Design sowie Original-Gehäuseteile und Zifferblätter direkt von der damals insolventen Firma Breitling. Damit ist die Sinn 903 ein legitimer Nachfolger, der die Produktion fortführte, während der Markenname „Breitling“ separat verkauft wurde.
Warum ist die Sinn 903 wasserdicht, der Old Navitimer aber nicht?
Das liegt an der Konstruktion des Rechenschiebers. Beim Breitling Old Navitimer wird die gesamte Außenlünette gedreht, was konstruktionsbedingt schwer abzudichten ist (meist nur 3 bar). Bei der Sinn 903 liegt der Rechenschieberring geschützt unter dem Saphirglas und wird über eine zusätzliche, oft verschraubte Krone bei 10 Uhr bedient. Dadurch erreicht die Sinn eine Wasserdichtigkeit von bis zu 20 bar (200m).
Welches Uhrwerk ist in den Modellen verbaut?
Der Breitling Old Navitimer (z. B. Ref. 81610) nutzt meist das bewährte, aber eher einfachere Valjoux 7750. In modernen Versionen der Sinn 903 St kommen hingegen oft hochwertigere Werke zum Einsatz, wie das LJP 8000 (La Joux-Perret) mit Schaltradsteuerung und einer deutlich höheren Gangreserve von ca. 60 Stunden im Vergleich zu den ca. 42 Stunden des Standard-Valjoux.
Welche der beiden Uhren bietet den besseren Werterhalt?
Beide Uhren sind sehr wertstabil, sprechen aber unterschiedliche Käufer an. Der Breitling Old Navitimer profitiert vom weltweiten Prestige der Marke und seinem Status als Design-Ikone. Die Sinn 903 hingegen gilt in Sammlerkreisen als der „Geheimtipp“ mit dem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis. Aufgrund regelmäßiger Preiserhöhungen bei Sinn erzielen auch gebrauchte 903-Modelle oft Preise, die nah am ursprünglichen Neupreis liegen.
Foto: Breitling