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Genta Design

Was macht das Genta Design aus und welche Armbanduhren kommen in diesem Design

Unzählige Uhrendesigns hat Gérald Genta von den 1950er bis in die 2000er Jahre entworfen, die für sich stets von Individualität geprägt waren. In Kennerkreisen sind sie längst Kult und verkaufen sich noch heute zu stolzen Preisen. Dabei mochte Genta Uhren eigentlich gar nicht, wie er einmal verriet. Er hasste es, "sich zeitlichen Vorgaben unterwerfen zu müssen".

Gérald Charles Genta erblickte am 1. Mai 1931 in Genf, Schweiz als Sohn eines Italieners und einer Schweizerin das Licht der Welt. Mit zwanzig Jahren absolvierte er eine Ausbildung zum Goldschmied und Juwelier. Zunächst musste er sich mit Gelegenheitsjobs durchschlagen und begann zeitgleich, erste Entwürfe für Uhrenhersteller und deren Lieferanten zu erstellen. Universal Genève wurde zu seinem ersten größeren Auftraggeber. Seinen ersten großen Erfolg hatte er dort 1954 mit dem Design der antimagnetischen Uhr "Polerouter".
In den späten 50er Jahren war Omega der erste Hersteller, der Genta einen Exklusiv-Vertrag mit Zulieferern des Unternehmens anbot. Aus dieser Zusammenarbeit gingen die Modelle "Seamaster" und "Constellation" hervor.

Gerald Genta - Designer und Marke

Um aus dem Schatten seiner Auftraggeber herauszutreten, entwarf Genta 1969 eine Marke mit seinem eigenen Namen und ließ sie auch selbst herstellen. Als freier Designer nahm er aber auch weiter Aufträge an. 1998 verkaufte er die Eigenmarke an ein asiatisches Unternehmen, das sie wiederum an die Bulgari-Gruppe veräußerte.
Genta nutzte die wiedergewonnene Freiheit, um in seinen späten Lebensjahren dem Hobby der Malerei zu frönen.
2001 wagte Genta ein Comeback und er entwickelte die seine beiden Vornamen zierende Marke "Gérald Charles", die er einige Jahre später auch wieder verkaufte. Insgesamt gestaltete Genta in fünfzig Jahren das Design von über hundert Uhrenmodellen. Abnehmer waren Prominente, Geschäftsleute und auch namhafte Mitglieder von Königshäusern.
Mit seiner Ehefrau und Geschäftspartnerin Évelyne hatte Genta zwei Kinder: Frédéric und Alexia.
Gérald Genta starb am 17. August 2011 im Alter von 80 Jahren.
2019 gründete Gentas Frau den Verein "Gérald Genta Heritage", um an das Vermächtnis ihres Mannes zu erinnern und angehende Uhrendesigner für das Handwerk zu begeistern.

Das unverwechselbare Design von "Ingenieur SL" und "Royal Oak"

Eins von Gérald Gentas berühmtesten Designs ist die "Royal Oak" von Audemars Piguet. George Golay, der Managing Director des Schweizer Luxusuhren-Herstellers beauftragte 1970 Genta, für den italienischen Markt eine wasserdichte Sportuhr mit innovativem Design aus Edelstahl zu konzipieren. Innerhalb von 24 Stunden entwarf Genta die "Royal Oak". Dabei ließ er sich von historischen Taucherhelmen inspirieren. Es entstand ein kantiges Design mit einem polierten achteckigen Gehäuse, das von deutlich sichtbaren sechseckigen Schrauben umfasst war. Das vielgliedrige Armband bildete mit dem Ziffernblatt eine harmonische Einheit. 1972 kam die "Royal Oak" auf den Markt und erreichte für ihr ungewöhnliches Design große Aufmerksamkeit.
Mindestens so legendär wie die "Royal Oak" ist die Kreation Gentas für den Hersteller IWC (kurz für International Watch Company) aus Schaffhausen: die "Ingenieur SL". Zusammen mit der "Royal Oak" reiht sie sich in die Linie der großen Sportuhren aus Edelstahl mit integriertem Armband ein. Der Produktentwickler von IWC Alexandre Ott bat Genta 1975 um ein neues Design. Dieser ließ sich die runde Lünette einfallen, die von fünf Schrauben eingefasst wird. Die explizite Sichtbarkeit der Schrauben erinnert nicht zufällig an das Konzept der "Royal Oak". Als Besonderheit besitzt das Uhrwerk der "Ingenieur SL" einen Magnetfeldschutz.

Was verband ihn mit IWC und Audemars Piguet?

Mechanische Komponenten wie Schrauben, die vorher üblicherweise vom Gehäuse weitgehend verdeckt wurden, nutzte Genta als einer der Ersten bewusst, um den Designs der "Royal Oak" und der "Ingenieur SL" eine eigene Handschrift zu geben. Kanten wurden betont, um dem Erscheinungsbild seiner Entwürfe mehr Maskulinität und Dynamik zu verleihen. Edles Gold musste dabei dem technischer aussehenden Edelstahl weichen. Das Armband war nun nicht mehr nur funktionelles Beiwerk, sondern durch Integration in das Gehäuse Teil des Gesamtkonzepts.

Nicht immer beliebt, anfangs ein Flop

Audemars Piguets "Royal Oak" war zunächst kein Erfolg beschieden. Die Uhr, die 1972 auf den Markt kam, empfand die potenzielle Kundschaft mit einem Durchmesser von 38 Millimeter als zu groß. Man störte sich außerdem am beträchtlichen Listenpreis von 3.650 Schweizer Franken. Damit war die Uhr aus Edelstahl teurer als manche Modelle aus Gold anderer Hersteller. Im Laufe der 1970er Jahre, als die Nachfrage nach größeren und markanteren Uhren allmählich stieg, erkannte man Gentas Pionierleistung.

Warum derzeit so im Trend?

Die "Royal Oak" ist eine der angesagtesten Uhren weltweit. 2019 wurde bei einer Auktion dafür schon mal ein Preis von 43.750 Euro hingelegt. Ein wesentliches Charaktermerkmal für Gentas Uhr ist das zum Gehäuse breiter werdende Metallarmband. Dadurch wirkt das Gehäuse dominanter. Wie auch bei der "Ingenieur SL" hat Genta Edelstahl bei Luxusuhren salonfähig gemacht, dadurch wirken seine Designs sportlicher, ohne dabei an Eleganz einzubüßen. Der Trend zum Tragen solcher Uhren hält bis heute an.

Das Geheimnis der Serviette

1976 stellte Patek Philippe auf der Uhrenmesse in Basel ihr Modell "Nautilus" vor. Genta hatte die Uhr bereits zwei Jahre vorher entworfen. In einem Interview verriet er, während eines Dinners auf der "Baselworld" die Geschäftsleitung des Uhrenherstellers beim Essen beobachtet zu haben. Dabei sei ihm die Idee zur "Nautilus" gekommen, deren Design er in fünf Minuten auf eine Serviette gekritzelt habe.
Die Schrauben, die noch eine "Royal Oak" zierten, waren nun verschwunden, die Kanten abgerundet und die Form des Gehäuses erinnerte an das Bullauge eines Schiffs. Ein typisches Merkmal bildeten die zwei "Flügel" links und rechts des Gehäuses. Patek Philippe war von Gentas Vorschlägen sofort begeistert und machte sich an die Fertigung erster Prototypen.

Welche anderen Armbanduhren gibt es im Genta Design?

Für Universal Genève entwarf Genta 1954 die "Polerouter", mit der er zum ersten Mal Bekanntheit erlangte. Die Uhr war dafür ausgelegt, den starken Magnetfeldern in den Polargebieten standzuhalten und wurde von der Crew der Fluggesellschaft SAS (kurz für "Scandinavian Airline System") bei Interkontinentalflügen von Europa nach Nordamerika getragen, wo die Route über dem Nordpol führte.
Die "Constellation" des Herstellers Omega erschien 1959. Ein dynamisch modernes Design mit dem "Constellation"-Stern bei 6 Uhr und den "Krappen" bildeten das typische Aussehen dieses Modells.
In den 1960er brachte Rolex die "King Midas" heraus, benannt nach dem König aus der griechischen Sage. Beim Design des Gehäuses ließ sich Genta vom Parthenon-Tempel in Athen inspirieren. Die Uhr bestand aus reinem 18-karätigen Gold und zierte unter anderem das Handgelenk von Rock 'n' Roll-Legende Elvis Presley.
Die "Bulgari Bulgari" gab es eigentlich schon seit 1957. Genta gab ihr 1977 ein leicht verändertes Design, das er auf das Aussehen römischer Münzen zurückführte. Der doppelte Markenname als typisches Merkmal erschien auf der Lünette.
Das Modell "Minute Repeater" brachte Genta unter eigenem Markennamen 1981 heraus. Ihr Automatik-Kaliber war in einem nur 2,72 mm flachen Gehäuse integriert.
1985 konzipierte Genta die "Cartier Pasha". Eigentlich stammte das ursprüngliche Design von Louis Cartier, der die Uhr in den 1930er Jahren für den Pascha von Marrakesch entworfen hatte. Sie war wasserabweisend, damit der Pascha sie auch beim täglichen Bad tragen konnte. Fünfzig Jahre später ließ sich Gérald Genta neu inspirieren und kreierte sie als sportlich moderne Variante.
Lange Zeit galt die "Grande Sonnerie", 1994 unter Gentas eigener Marke herausgekommen, als weltweit aufwendigste Armbanduhr der Welt. Das komplexe Uhrwerk bestand aus über 800 Teilen. Die Uhr erzielte seinerzeit Preise von etwa einer Million Dollar.

Fazit

Gérald Genta ist zu einem der bekanntesten Uhrendesigner weltweit avanciert - und das zu einer Zeit, als es diesen Beruf offiziell noch gar nicht gab. Er verlieh Luxusuhren zum ersten Mal ein sportlich technisches Aussehen. Viele Uhren-Designs sind seitdem von Gentas Entwürfen beeinflusst worden. Kopiert zu werden, mache ihm nichts aus, hat er einmal gesagt. Er sehe es eher als Kompliment und Zeichen der Anerkennung.

Quellen:
chrono24.de


Zuletzt überarbeitet: 12. November 2021